Überfall auf dem Weihnachtsmarkt

Überfall auf dem Weihnachtsmarkt war eines der ersten Bücher, die ich herausgebracht habe, und die Fertigstellung erfolgte teilweise unter Zeitdruck. Im Nachhinein betrachtet hat das dem Buch nicht gerade gutgetan, und deshalb habe ich mich entschlossen, eine überarbeitete Neuauflage herauszubringen. Die Geschichte an sich ist zwar gleich geblieben, aber an einigen Stellen detaillierter erzählt, und einige sprachliche Holperstellen wurden beseitigt. Dabei habe ich Rückmeldungen der Leser dankbar berücksichtigt.

Ähnlich erging es dem Cover. Vor einem Jahr kannte ich noch nicht so viele Quellen für Fotos wie heute und hatte nicht die Zeit, mit vielen verschiedenen Suchbegriffen in den Bilddatenbanken zu experimentieren. Dieses Mal habe ich nicht meine Vorstellungen am verfügbaren Material ausgerichtet, sondern so lange gesucht, bis ich Material hatte, das zu meinen Vorstellungen passte, und damit, glaube ich, ein Cover geschaffen, das die Stimmung der Geschichte gut widerspiegelt.

 

Zusätzlich habe ich noch eine Kurzgeschichte eingefügt, eine Szene, die ein paar Tage nach dem eigentlichen Ende der Geschichte spielt und einen Eindruck davon gibt, wie sich die Freundschaft zwischen Mark, Damir und Joana weiter entwickelt.

 

Wer gerne den Vergleich ziehen möchte, findet Cover, Klappentext und Leseprobe der Erstausgabe weiter unten auf dieser Seite.

 

Für alle, die ganz zu den Anfängen zurückkehren möchten, ist hier die allererste Idee zu der Geschichte, so wie ich sie mir auf einem Zettel notiert habe:

Mädchen wird gemobbt, zwei Jungen beobachten Angriff auf dem Weihnachtsmarkt, greifen ein und sorgen hinterher dafür, dass das Mobbing aufhört, obwohl das Mädchen zuerst einfach nur den Kopf unten halten will.

 

Erschienen im Dezember 2015

80 Seiten

ISBN 978-3739218113

Erhältlich als Taschenbuch und Ebook

 

Eigentlich wollten Mark und Damir nur Weihnachtsgeschenke kaufen, doch als sie sehen, wie ihre Mitschülerin Joana von drei anderen Mädchen aus der Schule drangsaliert wird, kommen sie ihr sofort zu Hilfe.
Es gelingt ihnen, die drei Angreiferinnen in die Flucht zu schlagen, doch was sie gesehen haben, ist nur die Spitze des Eisbergs. Das bösartige Trio verfolgt Joana schon lange Zeit, und Joana traut sich nicht, sich zu wehren. Auch Mark und Damir sollen nichts unternehmen, damit nicht alles noch schlimmer wird, aber die beiden Jungen sind nicht bereit, zuzusehen, wie Joana weiter fertiggemacht wird.

Ebook €1,99
Taschenbuch €4,90

Es war der Tag nach dem dritten Advent, und wie immer zu dieser Zeit des Jahres waren allerorts die Innenstädte völlig überlaufen. Die einen mussten noch Geschenke kaufen und hasteten von Geschäft zu Geschäft, die anderen bummelten über den Weihnachtsmarkt und genossen den typischen Geruch, in dem sich Bratwurst, Reibekuchen, Glühwein und gebrannte Mandeln mischten.

Rechts und links reihten sich vor den Läden Imbissbuden, Waffelstände, Bierwagen, Verkaufsstände mit Schnitzereien, Textilien, Weihnachtsdeko und vielem mehr, ungefähr jeder dritte Stand bot vor allem oder mindestens nebenbei Glühwein feil, und an der Kreuzung, wo etwas mehr Platz war, stand ein Kinderkarussell. Über den Ständen waren Lichterketten quer über die Schlucht zwischen den Häusern gespannt, und ein Teppich aus Weihnachtsmusik überlagerte die Szene. Etliche Geschäftsinhaber und Standbesitzer hatten Lautsprecher aufgestellt, aus denen die verschiedensten Adventslieder rieselten, und auf den Stufen vor dem Rathaus spielte eine Blaskapelle „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, was passte wie die Faust aufs Auge, weil sich nämlich keine einzige Schneeflocke blicken ließ. Es war zwar kalt, knapp unter null Grad, aber trocken, und obwohl es gerade erst auf vier Uhr nachmittags zuging, brach schon die Dunkelheit herein und ließ die unzähligen Lichter noch mehr zur Geltung kommen.

Mitten in diesem Trubel suchten sich die beiden Freunde Mark und Damir ihren Weg. Mark hielt ständig die Hand an der Gesäßtasche, in der er sein Portemonnaie trug, denn er wollte Weihnachtsgeschenke kaufen und hatte deshalb über dreißig Euro dabei. Das Geschiebe auf dem Weihnachtsmarkt, in dem man schon aufpassen musste, dass man nicht selbst versehentlich die Brieftasche dem Nebenmann in die Tasche schon, war bekanntlich ein Paradies für Taschendiebe, und den Betrag zu verlieren und noch mal Geld von seinem Taschengeldkonto abheben zu müssen für die Geschenke, hätte Mark schon wehgetan. Er war schließlich Taschengeldempfänger und kein Großunternehmer.

Damir hatte die Weihnachtsgeschenke für seine Familie schon früher gekauft und hätte eigentlich keinen Grund gehabt, sich das Gedränge anzutun, begleitete aber bereitwillig seinen besten Freund, der lange keine Idee gehabt hatte, was er seinen Eltern schenken sollte, und deshalb nur das Kinderhörspiel für seine kleine Schwester schon im November besorgt hatte. Die beiden Siebtklässler kannten sich schon seit dem Kindergarten, waren auch schon in der Grundschule in der gleichen Klasse gewesen und trafen sich fast jeden Nachmittag, um irgendwas zusammen zu unternehmen.

Damir, dessen Eltern aus Kroatien stammten, war der ältere von beiden, bereits im Juli dreizehn geworden und sehr groß gewachsen für sein Alter. Als Ringer, der schon mehrere Nachwuchstuniere gewonnen hatte, darunter auch eins mit vielen starken Teilnehmern aus ganz Nordrhein-Westfalen und den angrenzenden Bundesländern, war er kräftig und gewandt. Er konnte ein rechter Hitzkopf sein, aber seine Trainer hatten ihm nicht nur Griffe beigebracht, mit denen er seine Gegner auf die Matte zwingen konnte, sondern auch Selbstbeherrschung.

Manchmal mit dem Kopf durch die Wand zu wollen war eine Eigenschaft, die er mit seinem besten Freund teilte. Auch Mark, der am Tag vor Silvester dreizehn werden würde, war sportlich und seit mittlerweile fast acht Jahren im Fußballverein, wo er zu den Stützen seiner Mannschaft gehörte. Er war einen halben Kopf kleiner als Damir, damit aber immer noch deutlich über dem Durchschnitt. Als Innenverteidiger konnte er das brauchen, und in seiner C-Jugend verlor er kaum ein Kopfballduell.

Weil sattsam bekannt war, was weniger als zwei Wochen vor Weihnachten in der Fußgängerzone los war, hatten Mark und Damir genügend Zeit eingeplant. Je nachdem, wie lange sie brauchten, würden sie anschließend vielleicht noch eine Weile bei Mark hocken, ansonsten hatten sie für den Rest des Tages nichts mehr eingeplant. Sie konnten es sich erlauben, einen Moment stehenzubleiben, wenn ihnen ein Bekannter über den Weg lief, und näherten sich ansonsten Stück für Stück der Buchhandlung, in der Mark fündig zu werden hoffte.

Nur wenige Dutzend Schritte vom Eingang entfernt stutzte Mark plötzlich. Damir glaubte, sein bester Freund hätte jemanden gesehen, den er kannte, und sah sich um, konnte aber niemanden aus dem gemeinsamen Freundeskreis entdecken. Die vier Mädchen, die Mark zu seiner großen Verwunderung gerade in eine dunkle Gasse zwischen zwei Häusern auf der linke Seite hatte einbiegen sehen, waren inzwischen in der Finsternis verschwunden, so dass Damir sie nicht mehr hatte sehen können.

Mark kannte das Quartett nur flüchtig. Alle vier gingen auf die gleiche Schule wie er und Damir, sie waren, wie er wusste, in einer seiner Parallelklassen, aber bei insgesamt fünf siebten Klassen konnte man schwerlich alle Jungen und Mädchen aus sämtlichen Parallelklassen näher kennen. Die eigenen Klassenkameraden kannte man natürlich, die anderen Siebtklässler dagegen nur, soweit man gemeinsam mit ihnen in einem der klassenübergreifenden Religions-, Französisch- oder Lateinkurse saß oder private Verbindungen bestanden.

Hastig knuffte er Damir mit dem Ellbogen in die Seite. „Hast du das auch gesehen?“ fragte er, während er so angestrengt wie erfolglos versuchte, die Dunkelheit zwischen den Häusern mit den Augen zu durchdringen. „Was denn?“ wollte Damir wissen. Er konnte zwar ungefähr die Richtung abschätzen, weil er ja sah, wohin Mark starrte, sah aber nichts Ungewöhnliches, was kein Wunder war, weil die Mädchen, deren Verhalten Marks Aufmerksamkeit erregt hatte, aktuell ja nicht mehr zu sehen waren.

„Da sind welche aus der 7a in den Hof rein.“ erklärte Mark und nannte die Namen der beiden Geschäfte, zwischen deren hell erleuchteten Schaufenstern die Gasse in die Fußgängerzone mündete. „Diese Modezicke, Martina oder Bettina, du weißt schon, die, die immer rumläuft, als wäre sie auf dem Laufsteg, und die beiden, die ihr immer nachrennen, und dann noch eine mit Brille. Die ist auf jeden Fall auch in der a, aber ich wusste gar nicht, dass die auch mit den Modetussis rumrennt. Sah auch nicht so aus, als hätte sie Spaß.“ Die Haltung dieses vierten Mädchens hatte für ihn in dem kurzen Moment, den er beobachtet hatte, eher ängstlich gewirkt, und überhaupt machte die Szene keinen guten Eindruck. Auch dass die Gasse, wie er wusste, blind endete und es dort keinen Hintereingang gab, der für die Mädchen interessant hätte sein können, weckte sein Misstrauen. Solche Ecken suchte man sich aus, um verbotene Dinge zu tun, die keinen Zeugen brauchten, und wenn er es sich recht überlegte, dann hatte es ganz so ausgesehen, als hätten die Modetussis das Mädchen mit der Brille regelrecht abgeführt.

Damir brauchte nur Stichworte, um zu verstehen, was sein bester Freund meinte. „Sehen wir nach?“ schlug er vor. Er war nicht zum Ringen gegangen, weil er gehofft hatte, sich dort ungestraft prügeln zu können, und hielt viel von sportlicher Fairniss; drei auf eine war auf jeden Fall nicht fair. „Sehen wir nach!“ nickte Mark, der drei gegen eins ebenfalls für ein ungesundes Verhältnis hielt und nicht tatenlos mit ansehen wollte, wie das Mächen mit der Brille von seinen Mitschülerinnen fertiggemacht wurde.



 

Erschienen im Dezember 2014

56 Seiten

ISBN 978-3734742453

Erhältlich als Taschenbuch und Ebook

 

Nur durch Zufall werden Mark und Damir Zeugen, wie Joana aus ihrer Parallelklasse von drei anderen Mädchen belästigt wird. Sie können das aggressive Trio in die Flucht schlagen, doch der Übergriff ist kein Einzelfall. Schon seit Monaten ist Joana ständigen Anfeindungen ausgesetzt, und alle Ideen, die Mark und Damir haben, um dem Treiben ein Ende zu setzen, scheitern daran, dass Joana jede Hilfe ablehnt. Wie können sie ihr Vertrauen gewinnen, so dass sie sich endlich helfen lässt?

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Am Tag nach dem dritten Advent schoben die beiden Freunde Mark und Damir sich durch die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt. Es war rappelsturzvoll in der Schlucht zwischen den Häuserzeilen, die durch die Buden, die sich aneinanderreihten, noch zusätzlich verengt wurde. Jeder­mann und sein Nachbar schien heute in der Innenstadt unterwegs zu sein, die einen auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken, die anderen, um sich den typischen Weihnachtsmarktgeruch um die Nase wehen zu lassen, in dem sich Bratwurst, Reibekuchen, Glühwein und gebrannte Mandeln mischten. Es war kalt, aber trocken, und obwohl es gerade erst auf vier Uhr nachmittags zuging, brach schon die Dunkelheit herein und brachte die unzähligen Lichter noch mehr zur Geltung.

 

Mark hielt ständig eine Hand an der Gesäßtasche, in der er sein Porte­monnaie aufbewahrte, denn solche Menschenansammlungen waren bekanntlich das Paradies der Taschendiebe, und er hatte über dreißig Euro bei sich, weil er Weihnachtsgeschenke für seine Eltern kaufen wollte. Er hatte eine ziemlich konkrete Vorstellung, was er ihnen schenken wollte, und war zuversichtlich, dass er mit weniger auskommen würde, wollte aber sichergehen, und diesen Betrag zu verlieren, hätte schon wehgetan. Mark war schließlich Taschengeldempfänger und kein Großunternehmer.

 

Damir hatte die Geschenke für seine Familie schon zusammen, begleitete seinen besten Freund aber bereitwillig. Die beiden Siebtklässler kannten sich seit dem Kindergarten, waren schon in der Grundschule in der gleichen Klasse gewesen und trafen sich fast jeden Tag nach der Schule, um irgendwas zusammen zu unternehmen. Sie hatten einfach die gleichen Interessen, waren beide sportlich und brauchten immer Action. Damir war der Ältere von beiden, im Juli dreizehn geworden und damit auch der Älteste in der Klasse, ziemlich groß für sein Alter und kräftig, was er als Ringer auch sein musste. Er hatte schon mehrere Nachwuchs-Turniere gewonnen, darunter eine Meisterschaft auf regionaler Ebene. Manchmal war er ein rechter Hitzkopf, aber seine Trainer hatten ihm nicht nur Griffe beigebracht, mit denen er seinen Gegner auf die Matte zwingen konnte, sondern auch Selbst­beherrschung.

 

Auch Mark, der seine überschüssigen Kräfte beim Fußball abreagierte, wollte manchmal mit dem Kopf durch die Wand. Er war etwas jünger als Damir, würde am Tag vor Silvester dreizehn werden, und lag größenmäßig immer noch über dem Durchschnitt, obwohl er einen halben Kopf kleiner war als sein bester Freund. Als Innenverteidiger profitierte er von seiner Länge und verlor in der C-Jugend seines Vereins kaum ein Kopfballduell.

 

Sie waren heute zwar nicht zum Bummeln da, hatten aber auch keine Eile. Was knapp zwei Wochen vor Weihnachten in der Fußgängerzone los war, war schließlich sattsam bekannt, deshalb hatten sie genug Zeit eingeplant. Unterwegs trafen sie den einen oder anderen Bekannten, blieben aber nirgends länger stehen und näherten sich zielstrebig dem Kaufhaus, in dem Mark fündig zu werden hoffte.

 

Nur noch ein paar Dutzend Schritte vom Eingang entfernt, stutzte er. Weiter vorne bog gerade ein Mädchenquartett in eine Gasse zwischen zwei Häusern ein, von der er wusste, dass sie blind an den Laderampen der Geschäfte endete. Weder gab es dort einen öffentlichen Hintereingang, noch einen Durchgang zur Parallelstraße, und Mark konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was die vier Mädchen, die er vom Sehen kannte, dort wollten. Alle vier gingen in eine seiner Parallelklassen, aber bei insgesamt fünf siebten Klassen, die die Schule hatte, hatte nicht jede mit jeder Kontakt, eigentlich kannte man, sofern nicht private Freundschaften bestanden, nur diejenigen, die im gleichen, aus den Jungen und Mädchen gleicher Konfession aus zwei oder drei Klassen zusammengewürfelten Relikurs oder einem der als Wahlfächer ab der siebten Klasse ebenfalls klassenübergreifenden Latein- und Französisch-Kurse waren.

 

Er blieb stehen und knuffte Damir in die Seite. „Hast du das auch gesehen?“ fragte er. „Was denn?“ wollte Damir wissen, der gerade in eine ganz andere Richtung geschaut und die Mädchen deshalb nicht mehr gesehen hatte. „Da sind welche aus der a in der Hinterhof rein.“ Er nannte die Namen der beiden angrenzenden Geschäfte. „Diese Modezicke, Martina oder Bettina, oder wie sie heißt, mit ihren beiden Tussen und so eine mit Brille. Die ist auch in der a, aber ich wusste gar nicht, dass die auch mit den Modeweibern abhängt. Sie sah auch nicht sehr glücklich aus.“ „Du meinst, sie ist nicht freiwillig mit?“ vergewisserte sich Damir, und Mark nickte. „Sah eher so aus, als hätten die anderen sie abgeführt.“ „Wozu?“ überlegte Damir, aber das konnte Mark ihm nicht sagen. Er hatte die Mädchen ja auch nur kurz gesehen, gerade lange genug, dass ihm der unglückliche Gesichts­ausdruck von der mit der Brille aufgefallen war, und die Art, wie zwei von den anderen sie in die Mitte genommen hatten, gerade so, als hätten sie verhindern wollen, dass sie weglief.

 

„Sehen wir nach?“ schlug Damir vor. Er hielt viel von sportlicher Fairness, und drei gegen eine war auf jeden Fall ein ungesundes Verhältnis. „Sehen wir nach!“ antwortete Mark