Mit Ball und Zähneknirschen

Erschienen im Januar 2019

39 Seiten

ISBN 978-3748188933

Erhältlich als Ebook

 

Ein neuer Bolzplatz! Für Niko ein Traum. Endlich nicht mehr auf der Straße kicken! Doch die Sache hat einen Haken: seine Möchtegern-Cousine Leni. Der Platz gehört ihr genauso wie ihm, das ist die Regel, die Opa Hermann aufgestellt hat. Wenn sie streiten, nimmt er ihnen den Platz wieder weg, das ist keine leere Drohung. Die Kinder müssen sich zusammenraufen, aber kann das überhaupt gut gehen?

 

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Autorenplauderei:

Copyright

 

Es gibt im Internet unzählige Plattformen, die eine Vielzahl von Bildern zur freien Nutzung anbieten. Gerade wenn man ein Bild kommerziell nutzen will, sollte man aber lieber dreimal hingucken, ob dem nichts entgegen steht. Die Erstellung des Covers für dieses Buch ist ein schönes Beispiel dafür: Das erste Bild, das ich mir ausgeguckt hatte, war zwar laut Beschreibung für die vorgesehene Nutzung freigegeben, aber der Urheber des Bildes hat seinerseits Material verwendet, für das er nicht die erforderlichen Nutzungsrechte hatte, und war deshalb gar nicht befugt, diese oder jene Nutzung seines Bildes zu erlauben.

 Montag, 14:00 Uhr, Ecke Heidestraße/Friedensfeld. Das war der Treffpunkt, den Opa Hermann vorgegeben hatte. Warum, das hatte er nicht geschrieben, nur dass es wichtig war.

Niko wusste nicht, worüber er sich mehr wundern sollte. Darüber, dass der Großvater einen Brief geschrieben hatte, obwohl sie sich oft genug sahen? Über den Treffpunkt, eine Stelle, an der sich ein Stück außerhalb des Dorfs zwei bessere Feldwege kreuzten? Oder darüber, dass Opa Hermann sich nicht einmal zu einer Andeutung bewegen ließ, was er dort wollte?

Die Neugier trieb Niko schon um zwanzig vor zwei aus dem Haus, obwohl er mit dem Rad zu der angegebenen Stelle höchstens fünf Minuten brauchen würde. Er holperte die eine der beiden Seitenstraßen entlang, die es im Dorf gab, rollte dann ein Stück die Bundesstraße entlang, die durch den Ort führte, und bog schließlich in die Heidestraße ein. Die zweigte kurz hinter den letzten Häusern ab und führte mitten durch die Felder. Sie war asphaltiert, aber so schmal, dass zwei Autos nur aneinander vorbei kamen, wenn kein SUV oder Lieferwagen darunter war. Viel Autoverkehr gab es aber auch nicht, zu den Nachbardörfern kam man besser über die Bundesstraße und eine besser ausgebaute Landstraße. Am Wochenende waren viele Radfahrer hier unterwegs, unter der Woche war die schmale Straße wie ausgestorben.

Rechts und links erstreckten sich Felder, so weit das Auge reichte. Getreide, Rüben, Raps, das war die einzige Abwechslung, und ab und an eine Weide mit Kühen. Auch Opa Hermann war Landwirt, er hielt Kühe und baute Kartoffeln an. Bis zu seinem Hof brauchte man ungefähr zwanzig Minuten mit dem Rad, mit dem Bus ging es wegen der Umwege, die er machte, auch nicht schneller. Mindestens einmal die Woche musste Niko die Tour machen, denn natürlich kam seinen Eltern keine Milch aus dem Supermarkt ins Haus. Er wechselte sich beim Milchholen mit seiner älteren Schwester Vera ab; meistens fuhr sie mittwochs, er samstags. Wenn ihm die Fahrt gerade nicht in den Kram passte, dann beneidete Niko seine Schwester, denn die war fast fünfzehn und würde zum Geburtstag ein Mofa bekommen. Die Prüfung für den Schein hatte sie schon bestanden.

Als er sich der Kreuzung näherte, sah er, dass dort schon jemand stand, lässig an den Sattel eines Fahrrads gelehnt. Bis er die Person erkannte, dauerte es noch einen Moment, auch weil er sie nur von hinten sehen konnte. Ein Mädchen auf jeden Fall, das verrieten die langen Haare, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren. Einen Augenblick später konnte Niko das Gesicht sehen und biss sich auf die Lippen – ausgerechnet Leni!

Das konnte kein Zufall sein, denn Leni war zwar nicht richtig mit ihm verwandt, gehörte aber trotzdem zur Familie. Ihre Mutter war die Lebensgefährtin von Nikos Onkel und hatte Leni mit in diese Beziehung gebracht; vor sechs Jahren war das gewesen, kurz bevor Niko in die Grundschule gekommen war. Sie waren gleich alt und deshalb auch in der gleichen Klasse, auch jetzt noch, nach dem Wechsel aufs Gymnasium.

So war es kaum möglich, Abstand zueinander zu halten, obwohl Niko Leni oft genug auf den Mond wünschte. Es knallte regelmäßig zwischen ihnen, und seine Mutter behauptete immer, das läge daran, dass sie sich so ähnlich wären. Als ob!

Gut, sie hatten ein gemeinsames Hobby, spielten nämlich beide gern Fußball und waren auch im Verein, Niko im Nachbardorf, Leni in der nächsten größeren Stadt, wo es auch eine Mädchenmannschaft gab. Aber Niko war überzeugt, dass er viel besser spielte als Leni, und sonst hatte er wirklich nichts mit ihr gemeinsam, fand er. Seine Mutter dagegen sagte, er könnte gar nicht wissen, ob er besser Fußball spielte als Leni, solange er es nicht mal ausprobierte. Außerdem wäre das noch die kleinste Gemeinsamkeit – viel entscheidender wäre, dass sie beide immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen waren, eine klare Meinung und keine Angst davor hatten, damit anzuecken, und gerne auch mal mit dem Kopf durch die Wand wollten. Manchmal dachte Niko, die Erwachsenen mussten sich einfach etwas in der Art einreden, weil Leni ja so was wie seine Cousine war.