Raub in schwarz-bunten Schuhen

Erschienen im Mai 2019

50 Seiten

ISBN 978-3734779114

Erhältlich als Ebook

 

Flori hat gerade erst ihr Schülerpraktikum im Getränkemarkt begonnen, als der Laden überfallen wird. Zum Glück wird niemand verletzt, aber irgendwas stimmt an der ganzen Sache nicht. Warum gibt der Ladenbesitzer eine völlig falsche Beschreibung des Täters ab? Und wie kommt er auf die Idee, Flori könnte den Täter decken? Niemand scheint Flori ernst zu nehmen, und so muss sie selbst ermitteln...

 

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Autorenplauderei: Wenn Algorithmen zuschlagen

Bekanntermaßen bedienen sich nicht nur Suchmaschinen wie Google und Bing, sondern auch die Suchfunktionen vieler Onlineshops verschiedener Algorithmen, um möglichst passende Ergebnisse zu liefern - möglichst auch dann, wenn der Nutzer sich vertippt oder nicht genau weiß, wonach er suchen soll. Manchmal geht das allerdings auch schief, zahlreiche Beispiele kursieren überall im Internet. Raub in schwarz-bunten Schuhen reiht sich da schon vor seinem Erscheinen ein, denn ein Algorithmus machte aus den ersten beiden Wörtern des Titels einen Rubin.

„Überfall!“, hörte Flori eine Stimme vorne im Laden schreien. „Geld her!“ Im ersten Moment begriff sie gar nicht, was abging, erst mit Verspätung wurde ihr die Bedeutung der Rufe bewusst.

Flori hieß eigentlich Floriane und war 15 Jahre alt. Sie besuchte die neunte Klasse der Gesamtschule und machte gerade das vorgeschriebene Berufspraktikum. Alle Neuntklässler an ihrer Schule mussten für zwei Wochen in irgendeinem Betrieb arbeiten. So sollten sie erfahren, wie es im Berufsleben aussah, und vielleicht auch schon feststellen, ob ihnen der Beruf, mit dem sie für später liebäugelten, wirklich gefiel. Dass sie sich mit einem guten Eindruck schon die Tür für eine spätere Anstellung öffnen konnten, behaupteten die Lehrer zwar, aber das hielt Flori für einen schönen Traum.

Sie für ihren Teil wollte auch gar nicht wieder hier landen; in einem Getränkemarkt zu jobben war bestimmt nicht ihr Wunsch für die Zukunft. Sie hatte sich schon ziemlich festgelegt: Entweder wollte sie Grundschullehrerin werden, oder sie wollte Bio und Sport auf Lehramt für weiterführende Schulen studieren. Da einen Praktikumsplatz zu bekommen, war aber wohl unmöglich, also hatte Flori es gar nicht erst versucht. Stattdessen hatte sie sich für den wohl einfachsten Weg entschieden. An den Job im Getränkemarkt zu kommen, war leicht gewesen, denn ihre Eltern kauften regelmäßig hier ein, und ihr älterer Bruder hatte zwei Jahre hier gejobbt. Lasse wohnte inzwischen nicht mehr zu Hause, er studierte in Münster und hatte sich dort eine Bude genommen.

Flori war dabei, volle Leergutkästen nach hinten ins Lager zu schaffen und leere Kästen bereitzustellen für Kunden, die mit Einzelflaschen kamen. Sie war gerade ganz hinten, als es vorne laut wurde, und es schien nicht so, als hätte der Räuber sie bemerkt. Wenn er den Laden beobachtet hatte, bevor er zur Tat geschritten war, dann musste er allerdings wissen, dass sie da war. Sollte sie durch den Hintereingang abhauen?

Flori überlegte kurz und entschied sich vorerst dagegen. Sie glaubte nicht, dass der Räuber nach hinten kommen würde. Er würde eilig das Geld aus der Kasse abgreifen, sich vielleicht noch ein paar Stangen Zigaretten oder eine Flasche Schnaps schnappen und dann flüchten. Schließlich war der Laden geöffnet, und der Räuber musste damit rechnen, dass Kunden kamen; je schneller er weg war, desto geringer war sein Risiko.

Lautlos huschte Flori rüber zu den Limonaden. Von dort aus konnte sie die Lage vorne überblicken, war aber selbst durch die Getränkekästen vor den Blicken des Räubers geschützt. Selbst wenn er sie entdeckte und nach hinten kam, hatte sie immer noch einen Vorsprung. So schnell konnte er gar nicht sein, dass sie nicht vorher ins Lager rennen und die Tür verriegeln konnte.

Der Räuber bedrohte den Inhaber des Ladens mit einem Messer. Flori konnte es aufgrund der Entfernung und der Lichtverhältnisse nicht genau erkennen, glaubte aber, dass es eher ein Küchenmesser als ein Klapp- oder Springmesser war. Für den Inhaber des Ladens kam es aufs Gleiche raus, und Herr Rudolph machte, was ein kluger Mensch in einer solchen Situation machte. Er packte den Inhalt der Kasse, Scheine und Münzgeld, in eine Tüte, die er dem Räuber reichte.

Das Gesicht des Räubers konnte Flori sich nicht einprägen, denn eine Skimaske ließ nur einen kleinen Schlitz für die Augen frei. Um die Augenfarbe zu erkennen, war Flori zu weit weg. Aber die Polizei würde sicherlich dankbar sein, wenn sie so viele Einzelheiten wie möglich erfuhr, also versuchte Flori, sich wenigstens Kleidung und Statur des Räubers zu merken.

Die wichtigste Erkenntnis dabei war, dass der Räuber eine Räuberin war. Das verriet der ansonsten schlanke Körper unter dem engen, dunklen Oberteil. Das erklärte auch die Stimme, die war Flori von Anfang an irgendwie komisch vorgekommen. Offenbar nahm ihr Hirn bei einem Raubüberfall automatisch einen männlichen Täter an, und dazu passte dann natürlich keine Frauenstimme. Flori fiel ein, dass auch Stimmmerkmale wichtig sein konnten, aber die Räuberin tat ihr nicht den Gefallen, noch mal etwas zu sagen. Dass ihr niemand folgen sollte, machte sie Herrn Rudolph mit dem Messer klar.

Flori versuchte es trotzdem, aber sie brauchte zu lange. Durch den Laden stürmen wollte sie nicht, die Räuberin hätte sie zu leicht bemerken können. Bis sie über den Hof und durch die Einfahrt die Straße erreichte, war die Räuberin nicht mehr zu sehen. Der Markt lag maximal verkehrsgünstig, was leider auch bedeutete, dass die Räuberin maximal viele Möglichkeiten hatten, zu verschwinden. Flori wollte noch nicht aufgeben, wusste aber, dass die Chancen, die Räuberin noch zu erwischen, jetzt nicht mehr der Rede wert waren.

Sie versuchte, sich in die Lage der Räuberin zu versetzen. Wie würde sie sich entscheiden? Weiter die Hauptstraße runter, in der Hoffnung, zwischen den Menschen dort untertauchen zu können? Oder in eine der Seitenstraßen? Eher die Seitenstraße, entschied sie aus dem Bauch heraus, solange sie die Maske über dem Kopf hatte, würde die Räuberin überall auffallen, egal, wie viele Leute um sie herum waren. Flori bog ab und rannte den Bürgersteig entlang. Sie versuchte, mögliche Verstecke im Vorbeirennen zu checken, aber das klappte nur so halb. Sie hatte einige Hauseingänge links und die Reihe der am Straßenrand geparkten Autos rechts von sich und nie mehr als eine Sekunde Zeit, hinzugucken.

An der nächsten Ecke blieb sie keuchend stehen. Wohin jetzt? Zwecklos! Die Räuberin konnte in jede Richtung abgehauen sein, hier oder an den nächsten Kreuzungen, die Flori schon sehen konnte. Besser, sie ging zurück, um zu sehen, wie Herr Rudolph den Überfall überstanden hatte. Verletzt worden war er wohl nicht, und sie schätzte ihn auch nicht als besonders ängstlichen Typen ein, aber einen Schrecken würde er schon bekommen haben. Außerdem tat ihm der Verlust der Tageseinnahmen bestimmt weh, Reichtümer verdiente er mit dem Laden nicht.